Die Liebe zu Kupfer, Nadel und Säure...

Begonnen hat sie 1969 symbolträchtig: Mit einem Lorbeerbaum in einer Liebesgeschichte und dem Porträt einer Frau: „Daphne“, einer begehrenswert schönen Nymphe aus der griechischen Götterwelt. Daphne verwandelte sich auf der Flucht vor den Verführungs-Künsten des Gottes Apoll in einen Lorbeerbaum, um ihre Jungfräulichkeit zu bewahren. Daphne‘s mythischer Zauber scheint gewirkt zu haben. Aus der Faszination der ersten Erfahrung mit der Kunst des Radierens ist eine nunmehr dreissig Jahre dauernde Liebesbeziehung geworden.
Druckgrafik war von Anfang an ein wesentlicher Faktor im Werk des Malers und Zeichners Gregor Traversa. Mit der ersten Radierung „Daphne“ hat er 1969 sein eigentliches druckgrafisches Ausdrucks-Medium gefunden: Das Radieren, vorrangig in Strichätzung und Aquatinta.

„Radieren ist wie ein intensiver erotischer Akt. Die Intimität des Ritzens von Metall mit der Radier-Nadel hat eine besondere Magie . Dieses feinnervig präzise spielerische Arbeiten mit der Hand auf Kupfer zieht mich immer wieder in den Bann . Sich auf die Haut einer Kupferplatte einzulassen, sich einzugraben in ihre Oberfläche, Vertiefungen, Adern und Poren, die Linien wie Nervenbahnen freizulegen, Schraffuren und Punkte einzuritzen, einzukratzen, Furchen und Mulden auszuhöhlen, Strukturen zu stechen, zu strichlieren, zu punktieren: Das muss man erleben, es lässt sich nicht beschreiben“.
Gregor Traversa 1999