SEHNSUCHT NACH FARBE

Heimweh nach der Farbe,
auch ich kenne solche Gefühle,
ich nähre sie spärlichst,
was da ist, hab ich gestohlen
aus dem Bordell des Leuchtens,
aus Feuer und Tanz.
Aber mein Stahl ist durchsichtig,
denn er will denken,
einen Gedanken aus Staub.


Cees Noteboom „Das Gesicht des Auges“


Die Zeit der Pflanzen
Dann kam die Zeit der Tiere
Dann kam die Zeit der Menschen
Nun kommt die Zeit der Steine

Wer die Steine reden hört weiß
Es werden nur Steine bleiben

Wer die Menschen reden hört weiß
Es werden nur Steine bleiben

Erich Fried „Die Zeit der Steine“


Du wolltest, ich wäre heller,
so wie die Welt, aus der ich stamme,
jedoch jene Welt ist schwarz
wie ein Leichentuch, streng
wie Stein.

Das hab ich geerbt.
So wohne ich in meinen vernagelten Formen
mit aschigen Fahnen und Beilen,

Spateln, Linien, gemarterten Farben,
Maschinen, die nichts produzieren
außer dem eigenen Recht,
Illusionen von Stille
und Lärm.

Cees Nooteboom: „Das Gesicht des Auges“